Es ist leider nicht mehr normal Straßenkünstler in kleinen Provinzstädtchen zu sehen und wenn man das Glück oder Unglück besitzt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, geht man doch meistens vorüber.Vielleicht weil die Zeit knapp ist, oder weil das Preisgegebene sich an der Grenze zur Peinlichkeit befindet oder weil man vielleicht verlernt hat, was es heißt anderen zuzuhören.
Gestern bin ich bei einer Gruppe stehengeblieben, nicht weil ihre Musik besonders gut war, sondern weil mir etwas Besonderes aufgefallen ist. Es waren drei Jungs und eine junge Frau, die zu Bongomusik und den Gitarrenklängen eines jener verwegen aussehenden Barfüßler tanzte. Sie war sympathisch, braungebrannt und mutig.
Die “Tänzerin” trug einen Rock und ein Bikinioberteil und an den Füßen Schellen und Glöckchen.
Die Menschen wollten nicht stehenbleiben, weil sie, wie man beobachten konnte, diese Gruppe peinlich fanden. Stehenbleiben wäre so etwas wie ein Bekenntnis zum Komischen, Flippigen und Schrillen, auch zum Unsauberen, zu verfilzten Haaren und zerrissenen Hosen.
Die Tänzerin hatte einen sehr schönen Körper und wurde nicht müde anmutige Bewegungen zu vollführen. Offensichtlich hat das die Vorbeigehenden, Männer wie Frauen verlegen gemacht. Trotz aller “Andersartigkeit” brachte die Tänzerin die Erinnerung an Freiheit und Ausgelassenheit und vor allem an Sexualität zurück. Dass dieser Tanz etwas magisches und erotisch-poetisches hatte, haben die meisten wohl nicht wargenommen.